Finnisch lernen, Finnland, Sonstiges
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Miten se on suomeksi?: Finnisch lernen – eine Leidensgeschichte?

Wie kommt man eigentlich auf die wahnwitzige Idee Finnisch lernen zu wollen? Und kann man es überhaupt lernen? 

Das Nordlandfieber packte mich früh und neben Finnland schlägt mein Herz noch immer stark für Norwegen, generell Skandinavien und die Polarregionen. Auch Norwegen habe ich zum Beispiel mehrfach bereist und werde es auch wieder tun. Dennoch gibt es einen Unterschied zu Finnland. Das Land, das sich so still und heimlich in mein Herz schlich, brachte eine völlig fremde Sprache mit, die dennoch in meinen Ohren vertraut klang und irgendwie beruhigend. Finnisch hat, wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, eine wundervolle Sprachmelodie. Obwohl ich nicht ein Wort verstand, hätte ich stundenlang zuhören können. Nicht nur das Land, sondern auch die Sprache brachte eine Saite in mir zum klingen, von der ich bis dato nicht wusste, dass sie existierte. Zu gerne hätte ich etwas verstanden und noch viel lieber sagen können, aber Finnisch lernen ist ja quasi unmöglich, oder?

... Das Finnische unterscheidet sich als finno-ugrische Sprache erheblich von
den indogermanischen Sprachen, zu denen der Großteil der in Europa 
gesprochen Sprachen gehört. Der jahrhundertelange Sprachkontakt hat aber etwa 
im Gebiet der Syntax und des Wortschatzes zu einer gewissen Annäherung des 
Finnischen an die umliegenden indogermanischen Sprachen geführt. Zu den 
Besonderheiten der finnischen Sprache gehören der agglutinierende Sprachbau, 
die große Anzahl (15) an Kasus, eine komplexe Morphophonologie(Vokalharmonie,
Stufenwechsel), das Fehlen des grammatikalischen Geschlechts und ein 
konsonantenarmer Lautbestand ...

Quelle: Wikipedia

Sauna – dieses finnische Wort hat es in unseren Sprachgebrauch geschafft, auch wenn wir es anders betonen.

Es ließ mich nicht los, es gab tatsächlich einen Kurs in annehmbarer Entfernung und alleine musste ich auch nicht gehen. Mir gingen die Ausreden aus und so fand ich mich Anfang letzten Jahres in der Volkshochschule wieder. Finnisch 1 für Anfänger ohne Vorkenntnisse. Und kaum waren wir angekommen, stellten wir uns einander auf Finnisch vor. Ehe man sich lange zieren konnte, hatte man die ersten Wörter über die Lippen gebracht und war den ersten Schritt gegangen. (Und spätestens nachdem wir das Wort für E-Mail-Adresse, sähköpostiosoite, fehlerfrei sagen konnten, wuchs die Hoffnung, dass es vielleicht doch nicht völlig unmöglich ist, diese Sprache eines fernen Tages zu sprechen.)

Hinter einem Buch verstecken ist hier nicht. Bei Finnischlehrerin Arja gibt es keinen angestaubten Frontalunterricht. Natürlich muss sie uns Neues erklären. Aber dann ist Machen angesagt. Da werden schon mal Verben gesungen, im Laufen ein Text gelesen, Spiele gespielt und natürlich viel gesprochen. Manchmal fluppt es und man ist optimistisch. Dann geht mal wieder gar nichts und diese Sprache erscheint wie ein Buch mit sieben Siegeln. Das Wort „Stufenwechsel“ erzeugt Verzweiflung und die Zunge hat einen Knoten. Gerade dann zeigt sich aber, wieviel Glück ich hatte, gerade im Kurs von Arja zu landen. Die Finnin, die ursprünglich aus einem kleinen Ort nördlich des Polarkreises stammt, lächelt dann und betont auch zum hundertsten Mal, dass es eben nicht unmöglich ist, alles logisch und wir das schon schaffen. Und irgendwie glaube ich ihr. Es braucht halt Geduld und einen langen Atem, aber es wird sich lohnen. 

Der Schritt, die ersten spärlichen Sprachkenntnisse in freier Wildbahn anzuwenden, war ein großer und als ich ihn endlich ging, brachte ich die Finnen zum Lachen. Brav stellte ich mich vor: „Moi, minä olen Sina“ und nach kurzer Verwirrung schmunzelte mein Gegenüber. Mir dämmerte das Problem hingegen nur langsam. „Sinä“ ist das finnische Wort für „Du“ und hört sich fast wie mein Vorname an. Meine Gesprächspartner verstanden also immer „Hallo, ich bin du“. Nun, zumindest ist damit das Eis meistens direkt gebrochen und ich lernte zwangsläufig eine bessere Betonung. 

Ich bin weit davon entfernt, eine Unterhaltung in dieser wundervollen Sprache zu führen, aber ich erlebe erste Erfolgsmomente, wenn ich ein Schild lesen, Gesprächsfetzen verstehen oder ein Lied mitsingen kann. Ich bleibe dran und irgendwann wird eine Unterhaltung möglich sein. Sagt Arja. Und dann ist das auch so. 

Zum Abschluss des 2. Semesters feierten wir eine kleine Weihnachtsfeier, zu der ich Karjalanpiirakka buk (und von der Finnin nach dem Rezept gefragt wurde!) und bei der wir bei einem improvisierten Festessen in der Volkshochschule zusammensaßen. Es war der 6.12. und somit feierte Finnland 100 Jahre Unabhängigkeit. Und wir feierten mit. Mit Karjalanpiirakka und Piparkakku und Korvapuusti und Fahne und Respekt. Selten ist die finnische Hymne so schief, aber mit so viel Herz gesungen worden. 

Und jetzt sitze ich vor meinen Unterlagen, die mich einmal mehr in den Wahnsinn treiben, aber ich gebe nicht auf. Es gibt unendlich viel, was ich (noch) nicht kann, aber eben auch schon einiges, was geht. Ich bleibe dran. Der Termin für das Wiederholen des Gelernten steht und mein Platz im nächsten Semester ist gebucht. Auf zum nächsten Akt!

Moi, minä olen Sina. Anteeksi, puhun vain vähän suomea mutta haluan oppia enemmän. Voitko puhua hitaasti? Kiitos. 

FINNISCH-KURSE GESUCHT!

Immer wieder lese ich, daß man gerne die Sprache erlernen möchte, aber keinen
Kurs findet. Wo gibt es Kurse und welches Lehrmaterial hat euch geholfen? Gern
würde ich ein kleines Verzeichnis zusammentragen, um anderen die Suche zu ver-
einfachen. 

Ihr wisst wo es einen Kurs gibt oder könnt Lehrmaterial empfehlen?

Dann sendet gerne eine mail an info@nordlandfieber.de

2 Kommentare

  1. Hi Sina, schöner Beitrag, der mir aus der Seele spricht. Ich bin ebenfalls dabei die Sprache zu lernen und kann von denselben Emotionen berichten. Es ist unglaublich wie viele Erfolgs- aber auch Misserfolgserlebnisse man innerhalb kürzester Zeit haben kann. Aber die Fortschritte zeigen am Ende, es geht „pikkuhiljainen“ voran.
    VG aus Südfinnland

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