Helsinki, Helsinkis Geheimnisse
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Helsinkis Geheimnisse: Pest, Picknick und ein deutscher König

Vom Friedhof mit trauriger Vergangenheit zum beliebten Treffpunkt (gerne auch zum Picknick) mitten in der Stadt – die spannende Geschichte des Vanha Kirkkopuisto in Helsinki. 

(Titelbild: T.V. Vuorela 1949 / Helsinki City Museum)

Ein beliebter Treffpunkt mit Geschichte – Vanha kirkkopuisto

Der kleine Park rund um die alte Kirche an Helsinkis Bulevardi ist heute ein beliebter Treffpunkt, eine Möglichkeit für eine kurze Pause im Grünen und immer recht belebt. Während man diesen Ort heute als „Vanha kirkkopuisto“ auf der Karte findet, ist er für viele der „Ruttopuisto“, der „Pestpark“, was ein Hinweis auf die bewegte Geschichte dieses kleinen Fleckens Erde in Helsinki gibt. Im Frühjahr und vor allem im Sommer trifft man sich hier gerne auch zum Picknick, im Herbst tollen große, kleine und vierbeinige Besucher gerne durch das Laub und im Winter wirkt er immer ein klein wenig magisch, der „Pestpark“ vor der alten Kirche. Doch woher kommt der Name eigentlich? Komm, setz dich auf meine Picknickdecke, nimm dir einen Happen und ich erzähle dir die Geschichte. 

Die große Pest und ihre Folgen

Es ist kein großes Geheimnis, dass der Ort auf einem alten Friedhof errichtet wurde, doch dieser wurde aus der Not heraus geboren. Die große Pest wütete Anfang des 18. Jahrhunderts vor allem im Ostseeraum und kam auch nach Helsinki. Der große nordische Krieg mit seinen Truppenbewegungen hatte eine Verbreitung natürlich begünstigt. 1710 kamen durch die Pest in Helsinki Aufzeichnungen zufolge 1.185 Menschen ums Leben. Die damals noch viel kleinere Stadt verlor somit zwei Drittel ihrer Einwohner. Ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte. Der ursprüngliche Friedhof, der sich an der Stelle des heutigen Senatsplatzes an der damaligen Ulriika Eleonoran kirkko befand, war schnell zu klein und man beerdigte die Toten nun hier auf dem neuen Friedhof. 

Mehr als ein Provisorium – die alte Kirche

Gut hundert Jahre später begann man hier mit dem Bau einer Holzkirche, die eher eine Art Provisorium, eine Übergangslösung sein sollte. Die alte Ulriika Eleonoran kirkko sollte abgerissen werden und der Dom befand sich noch im Bau. Ergo plante man diese Ausweichlösung für die man nicht einmal Glocken vorsah. Und wie das so ist mit Provisorien und Übergangslösungen, überdauerte auch diese die Zeit. Die alte Kirche, die „Vanha kirkko“, die dem Park ihren Namen gab, steht noch heute, auch wenn Carl Ludvig Engel sie seinerzeit als „Helsinkis provisorische Kirche“ in seinen Stadtplan einzeichnete. Engel schuf übrigens auch das Tor zum Park an der Bulevardi-Seite während der Gestaltung des monumentalen Stadtzentrums Helsinkis. 

Von den Roten, den Weißen und einem deutschen König

Es vergingen wieder etwa hundert Jahre, bevor der kleine Friedhof mit seiner Kirche wieder Geschichte schreibt. Wieder ist Krieg. Bürgerkrieg. Nach der Unabhängigkeitserklärung Finnlands von Russland im Dezember des Vorjahres kommt es 1917 zum Krieg zwischen den „Roten“ und den „Weißen“. Die von russischen Bolschewiki unterstützen Roten Garden kämpfen um die Kontrolle, während deutsche Truppen intervenieren und die Weißen unterstützen. In der Folge wird Helsinki im April 1918 von Ihnen eingenommen. Selbstverständlich bleibt keine kriegerische Auseinandersetzung ohne Verluste und auch die eingreifenden deutschen Truppen hatten diese zu verzeichnen. Nicht nur die Gefallenen der Weißen wurden auf diesem Friedhof bestattet, sondern auch die toten deutschen Soldaten. Soldaten und Zivilisten hoben gemeinsam die Gräber aus. An die Gefallenen erinnern heute noch Denkmäler im Park. 

Die Enthüllung des Denkmals für die gefallenen Deutschen. Foto: Helsinki City Museum

Übrigens: Um die noch wackelige Unabhängigkeit zu stärken, suchte Finnland nach einem deutschen Monarchen und wählte im Oktober 1918 Prinz Friedrich Karl von Hessen zum König. Doch die politische Lage änderte sich mit dem Ende des ersten Weltkrieges rasch und nur gut zwei Monate später verzichtete Friedrich Karl auf den Thron und Finnland wurde Republik. Das deutsche Königsabenteuer der finnischen Geschichte endete also schnell und der König selbst wurde nie inthronisiert und hat Finnland nie besucht. 

Vom Friedhof zum Lebensmittelpunkt

Aber wir schweifen ab. Zurück in den Park. 1919 fand hier die letzte Beerdigung statt, das ist also schon über hundert Jahre her. Viele Tausende Menschen wurden hier im Laufe der Zeit beerdigt, nur etwa 40 Grabsteine erinnern heute noch daran. Zu Beginn vor der Stadt gelegen, ist er heute mittendrin. Der ehemalige Friedhof, der Pestpark, der Park um die provisorische Kirche. Heute wird hier gepicknickt, es gibt Flohmarkt, Kunst, manchmal Live Perfomances. Wo einst viel Leid herrschte, treffen sich heute Menschen und es findet das pralle Leben statt. Das ist doch irgendwie schön, oder?

Frische Luft für den Nachwuchs. Foto: T. V. Vuorela 1949 / Helsinki City Museum

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