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Von den Glücksorten Helsinkis — Autor René Schwarz von FinnTouch im Interview

René Schwarz von FinnTouch dürfte den meisten Finnland-Fans ein Begriff sein. Der in Hessen lebende Halbfinne verbrachte schon als Kind seine Sommer in Finnland und nimmt auf seinem Blog seine LeserInnen schon seit einigen Jahren mit auf seine vielfältigen Reisen in seine zweite Heimat. Dabei möchte er kein klassischer Reiseführer sein, sondern den Austausch zwischen den Menschen fördern und für die verschiedensten Themen rund um Finnland begeistern. Nicht nur in seinen Blog-Artikeln, sondern auch bei diversen Events, wie z.B. den Kalsarikännit Livestreams. Im Juli 2021 ist nun sein erstes Buch „Glücksorte in Helsinki – Fahr hin und werd glücklich“ erschienen, in dem er 80 dieser besonderen Orte in Finnlands Hauptstadt vorstellt. 

Im Gespräch mit René Schwarz

René und mich verbinden neben der Liebe zu Helsinki auch unsere hessischen Wurzeln und so trafen wir uns im September 2021 zum Interview in meinem Heimatort in dem früher auch Renés Großvater zuhause war. Bei Limonade und Rhabarberschorle saßen wir auf dem Marktplatz und sprachen über sein Buch und Finnlands wundervolle Hauptstadt. 

René und sein Erstlingswerk in Südhessen

Nordlandfieber: Da ist es nun, Dein Buch. Gratulation dazu. Du reist ja nun auch schon sehr lange nach Finnland und Helsinki und ich frage mich: Was ist eigentlich Deine allererste Erinnerung an diese Stadt?

René/FinnTouch: Tatsächlich habe ich auf der Fahrt hierher genau darüber nachgedacht. Das allererste mal bin ich ja in Helsinki angekommen, als ich wenige Monate alt war, daran kann ich mich natürlich nicht erinnern. Aber ein paar Jahre später, als ich wahrscheinlich so im Grundschulalter war, sind wir mit der Fähre von Stockholm aus angekommen und sind nach der Ankunft zu einem etwas höher gelegenen Park gefahren, dem Tähtitorninvuoren puisto, den ich auch in meinem Buch beschrieben habe. Von dort haben wir runter auf die Fähren geschaut und den Ausblick genossen. Das ist so meine erste bewusste Erinnerung an Helsinki. 

Nordlandfieber: Da steckt ja schon sehr viel drin, was Helsinki ausmacht: Das Meer, das viele Grün und das Urbane. Aber was macht für Dich ganz persönlich die Stadt aus? Was macht sie so toll. 

René/FinnTouch: Zum einen liegt es natürlich daran, dass sie die Hauptstadt von Finnland ist und Finnland ist meine zweite Heimat. Von daher fühle ich mich dort einfach zuhause, schon alleine, was die Sprache und die Menschen betrifft. Das ist sicherlich ein wichtiger Faktor. Stockholm ist zum Beispiel auch eine sehr tolle Stadt, aber da habe ich jetzt nicht so das Heimatgefühl. Und von der Stadt her ist es natürlich toll, dass man, wie Du gerade schon sagtest, immer nah am Wasser ist. Also tatsächlich nah am Meer. Es gibt so viel Grün und es ist insgesamt eine total entspannte Stadt. Es fühlt sich einfach stimmig an, wann immer ich dort bin. Aber die Liebe zu Helsinki ist eher langsam gewachsen. Als Kind war es ja immer nur Zwischenstation auf dem Weg ins Mökki. Es war ganz schön, aber ich hatte keine innige Verbindung. Erst später, als ich selbst reiste, immer wieder kam und auch Freunde dort hatte, ist die Liebe schleichend gewachsen. Heute ist sie dafür eine durchaus feurige Angelegenheit. (Er lacht)

Nordlandfieber: Und heute liebst und schätzt Du die Hauptstadt mit den Vorzügen einer Metropole und dem Flair einer Kleinstadt?

René/FinnTouch: Ja, genau. Es ist sehr überschaubar. Das finde ich ja auch immer wieder toll, dass man im Zentrum eigentlich alles zu Fuß erreichen kann, was ich meistens auch genau so mache. 

Nordlandfieber: Genau. Oder höchstens mal ein Stückchen mit der Tram oder der Metro, was ja aber auch sehr entspannt ist.

René/FinnTouch: (lacht) Ja, richtig. Gerade bei der Metro kann man ja in Helsinki auch nicht so viel verkehrt machen, außer ein winziges Stück in die falsche Richtung zu fahren. 

Nordlandfieber: Du kennst die Stadt ja schon sehr lange und gut. Gab es während Deiner Recherche zum Buch dennoch überraschende Momente für Dich? Hast Du noch neue Seiten an Helsinki entdecken können?

René/FinnTouch: Ja, defintiv. Da gab es einige neue Dinge und Überraschungen, bzw. Themen, in die ich mich nochmal tiefer eingearbeitet habe. Man denkt ja man kennt schon alles, war schon hundert mal da, dabei ist man am Ende doch meist in den gleichen Ecken unterwegs, die man mag. Das war wirklich cool, dass ich durch die Arbeit am Buch dazu „gezwungen“ war darüber hinaus zu gehen, weiter zu forschen und zu sehen, was es noch gibt. Es sollte ja auch ein möglichst vielseitiges Buch mit ganz unterschiedlichen Glücksorten werden. Bei der Recherche bin ich dann auf so einiges gestoßen, was ich noch so gar nicht kannte. Ganz im Norden Helsinkis am Vantaanjoki ist zum Beispiel ein ganz tolles Landgut. Haltialan maatila mit dem Restaurant Wanha Pehtoori. Sehr empfehlenswert, gerade auch mit Kindern. Man kann dort ganz idyllisch unter Apfelbäumen sitzen, Tiere schauen und etwas essen und trinken. Direkt hinter dem Gut ist dann der Fluß Vantaanjoki, also auch direkt schon Vantaa nebenan. Eine ganz andere Seite von Helsinki. Sehr ländlich, so dass es auch ganz woanders sein könnte vom Gefühl her, aber es ist tatsächlich in der Hauptstadt. Das war so eine von vielen neuen Entdeckungen.

Nordlandfieber: Ja, es gibt noch viel zu entdecken und es kommt ja auch immer wieder etwas Neues hinzu.

René/FinnTouch: Das stimmt. Gerade in den letzten 20 Jahren hat sich die Stadt sehr verändert. Schon alleine das Gebiet rund um Oodi, um ein Beispiel zu nennen. Aber dadurch bleibt es auch spannend. 

Auch im Buch: Der Ort seiner ersten bewussten Helsinki-Erinnerung

Nordlandfieber: Du hast Dir im Zuge der Recherche also auch einiges angesehen, was sonst eher nicht auf Deiner Liste gestanden hätte, richtig? Quasi außerhalb der Komfortzone.

René/FinnTouch: Absolut. Ich habe mir eine Tabelle erstellt mit allem was in Frage kommen könnte und diese immer weiter befüllt. Am Ende war sie doppelt so lange, wie sie hätte sein müssen und es war dann eher die Schwierigkeit auszuwählen, was rausfliegt und was ins Buch kommt. Aber alles abbilden kann man natürlich auch nicht. Meine Auswahl ist denke ich ein guter Mix zwischen bekannteren, unbekannteren und neuen Sachen. Ein Beispiel kann ich hier noch rausgreifen, nämlich die Insel Katajanokanluoto mit dem alten Lotsenhaus, die ja auch erst seit 2020 für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Das Lotsenhaus war ziemlich runtergekommen. Bei der Recherche habe ich auch auf den eigenen Festplatten nach Bildmaterial gesucht und zufällig fiel mir ein Bild in die Hände, das entstanden ist, als ich 2008 mit der Fähre nach Suomenlinna gefahren bin und im Vorbeifahren ein Foto von genau dieser Insel mit dem Lotsenhaus geschossen habe. Ein witziger Zufall. Da war es noch ganz grau und unscheinbar. Jetzt ist es rot und gelb angestrichen. Es leuchtet schon von weitem, überall sind Sitzmöglichkeiten und man kann bei schönem Wetter auch einfach auf den Felsen sitzen. Dabei sollte man unbedingt die leckere Pizza aus dem Steinofen genießen, die es da gibt. Und vielleicht einen Lonkero dazu trinken. 

Nordlandfieber: Auch so ein toller Ort, der es ins Buch geschafft hat. Aber natürlich hast Du, wie Du schon sagtest, auch viel streichen müssen. Gibt es einen Ort der für Dich ganz besonders ist oder den Du ganz toll findest, der es aber nicht ins Buch geschafft hat? 

René/FinnTouch: Dazu fällt mir tatsächlich sofort ein Ort ein. Das liegt aber vor allem daran, dass ich ihn erst entdeckt habe, als das Buch schon fertig war. Nämlich das Restaurant Finnjävel, das unlängst sogar einen Michelin Stern bekommen hat. Es liegt ganz zentral in Töölö. Das Essen ist typisch finnisch, sehr traditionell inspiriert, aber feiner. Sehr lecker. Ich bin nicht unbedingt der Typ für fine dining, wenn man manchmal gar nicht mehr erkennt, was da eigentlich auf dem Teller liegt, aber dort hat es mit unheimlich gut gefallen und geschmeckt. 

Nordlandfieber: Jetzt hast Du so viel schon gesehen und noch Neues entdeckt. Was steht auf Deiner Liste für die nächsten Besuche ganz oben? 

René/FinnTouch: Da gibt es noch einige Ecken. Spontan fällt mir aber tatsächlich etwas ganz Spezielles ein, nämlich ein neuer deutscher Döner, der da jetzt aufgemacht und mich eingeladen hat. Berlin Döner nennt er sich. Da muss ich auf jeden Fall vorbeischauen, weil es einfach auch wieder eine witzige Geschichte ist, die Verbindung von Berlin, Helsinki und Döner. 

Nordlandfieber: Hast Du noch einen heißen Tipp, den Du „Ersttätern“ für ihren ersten Helsinki-Besuch mitgeben würdest? 

René/FinnTouch: Ich hätte auf jeden Fall einen Anti-Tipp, denn die Hop-On Hop-Off Busse kann man sich wirklich sparen. Man kann alles erlaufen oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln viel günstiger und genau so gut erreichen. Man lädt sich einfach die App der Helsinkier Verkehrsbetriebe herunter und kann easy und relativ günstig das passende Ticket direkt aufs Handy bekommen. Außerdem würde ich raten mindestens 2 Tage einzuplanen, um zumindest auch Highlights wie Suomenlinna besuchen zu können. Natürlich kann man auch gut und gerne eine Woche oder länger in der Hauptstadt verbringen, ohne, dass es langweilig wird, aber 2-3 Tage sollten es schon sein. 

Nordlandfieber: Und wie sieht es bei Dir aus? Ist der nächste Trip nach Helsinki schon geplant? 

René/Finntouch: Ja. Im Oktober geht es wieder in die Hauptstadt. 

Nordlandfieber: Dann wünsche ich Dir eine schöne Reise und vielen Dank, dass Du Dir heute die Zeit genommen hast. 

Das Buch „Glücksorte in Helsinki – Fahr hin und werd glücklich“ von René Schwarz erschien im Juli 2021 im Droste Verlag und ist im Buchhandel oder im FINN Shop erhältlich. Auf 168 Seiten stellt der Autor den LeserInnen 80 Glücksorte der finnischen Hauptstadt vor. Neben den bekannten Sehenswürdigkeiten, wie z.B dem weißen Dom, finden sich auch unbekanntere Locations und echte Perlen. Eine spannende und gelungene Mischung verschiedenster Glücksorte in der Hauptstadt des laut des World Happiness Reports glücklichsten Landes der Welt. 

Nach dem Interview im angrenzenden Park

Transparenzhinweis: Das Buch „Glücksorte in Helsinki – Fahr hin und werd glücklich“ wurde mir vom Droste Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. 


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