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Oodi Helsinki – Hightech-Wohnzimmer & Bücherhimmel

Helsinki hat jetzt ein Wohnzimmer: Die Bibliothek Oodi ist viel mehr als eine Ort, um Bücher auszuleihen. 

Eine der meistfotografiertesten Treppen der Stadt

Helsinkis neue Bibliothek Oodi

Helsinkis neue Bibliothek trägt einen großen Namen und ist auch auf den zweiten Blick so viel mehr als eine Bibliothek.

Foto: Tuomas Uusheimo

Am 5.12.2018, dem Vorabend des finnischen Unabhängigkeitstages, wurde sie eröffnet und der finnische Präsident Sauli Niinistö soll gesagt haben, dass es schwer falle, dieses wunderbare Gebäude je wieder zu verlassen und man solle Warntafeln an den Türen anbringen, dass man hier mehr Zeit verbringen würde, als man gedacht habe.

Namensgebung: Was bedeutet „Oodi“?

Oodi ist das finnische Wort für Ode und soll auch eine solche sein. Eine Ode an die Wörter.

keksijöille = für Erfinder

Die finnische Sprache ist poetisch und blumig, die Worte klingen oft fast wie ein Gesang. So ist auch die eindrucksvolle, zentral gelegene Wendeltreppe mit finnischen Wörtern bedruckt, die gleichzeitig ausdrücken, für wen Oodi gedacht ist.

Die Stahltreppe verbindet alle 3 Ebenen

Lukijoille (für Lesende), auringonpalvojille (für Sonnenanbeter), keksijöille (für Erfinder), kapinallisille (für Rebellen) ist dort zu lesen oder auch henkilöille (für Menschen) und ganz oben schlicht: kaikille (für alle). 

kaikille – für Alle

Architektur und „hard facts“

Oodi ist weit mehr als ein Ort zum Bücher ausleihen und weit mehr als ein Gebäude. Schon von außen wird das klar. Trotz seiner beeindruckenden Größe, viel Glas und Stahl, wirkt Oodi durch seine wellenförmige Fassade aus Fichte organisch, leicht und lebendig.

Fichtenholz dominiert die Außenfassade

Von oben wirkt das weiße Dach mit den „Schneefallfenstern“ tatsächlich als läge eine frische Schneedecke auf dem Gebäude.

Die Fenster sehen aus, als fiele Schnee. Auch in Oodis spitzester Ecke, die zum Selfiespot avanciert.

Inka von blickgewinkelt.de schrieb so herrlich, Oodi sei „Musik auf architekturisch“ und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Erfahren kann das jeder, denn Oodi ist fast komplett barrierefrei.

Oodi ist für alle und somit auch barrierefrei

2012 begann der Planungsprozess und anfangs fragte man die Wünsche und Träume der Bevölkerung ab und bezog dies in die Projektplanung ein. Die Ausschreibung gewann schließlich das Architekturbüro ALA aus Helsinki, das 2015 mit dem Bau begann. 

Oodi in Zahlen und Fakten: 

  • Projektbeginn: Januar 2012
  • Baubeginn: Januar 2015
  • Fläche: 10 000 qm
  • Kosten: 98 Mio. waren veranschlagt, 110 Mio. Euro soll es inkl. Ausstattung gekostet haben
  • Medieneinheiten: 100 000 
  • Lebende Bäume: 9
  • Direktorin: Anna-Maria Soininvaara

Das Erdgeschoss

Wer die Bibliothek im Erdgeschoss betritt, sieht in der Regel erstmal keine Bücher, aber platzt evtl. mitten in eine Soiree, einen Vortrag oder ein anderes Event hinein. Oodi ist die Verlängerung des öffentlichen Raumes mit einer Vielzahl an Angeboten. Sogar eine Spielecke gibt es und es herrscht jederzeit ein reges Treiben. Auch ein Café befindet sich hier, wobei man seinen Kaffee überall im Gebäude einnehmen darf. 

Geheimtipp: Der günstige und Leckere Mittagstisch

Das Zwischengeschoss

Über die eingangs erwähnte Treppe, eine Rolltreppe oder per Aufzug geht es dann in das mittlere der 3 Stockwerke und noch immer fehlen staubige Bücherregale.

Zwei Rolltreppen führen vom Erdgeschossauf die 2. Ebene und von dort in den Bücherhimmel

Stattdessen gibt es eine in die Unterkonstruktion des geschwungenen Außenbogens integrierte Sitzecke, 3-D-Drucker, Computer, einen Gaming-Room, Nähmaschinen, Co-working-spaces, Konferenzräume, einen Lesesaal, ein Tonstudio, kurz: Raum und Entfaltungsmöglichkeiten für jeden.

Nähmaschinen, 3-D-Drucker und der Gaming-Room – nur 3 von unzähligen Angeboten

Die meisten Angebote sind komplett kostenfrei in Helsinkis Hightech-Wohnzimmer. 

Das friedliche Miteinander wird groß geschrieben

Ebene 3: der Bücherhimmel

Im Obergeschoss entfaltet sich ein heller, geschwungener und lichtdurchfluteter Raum.

100.000 Medien und 9 lebende Bäume

Hier sind nun auch die Bücherregale, doch altmodische Bibliotheksatmosphäre findet man auch hier nicht, stattdessen weitere Arbeitsbereiche, atemberaubende Architektur, ein weiteres Café, einen Kinderwagenparkplatz, ein Vorlesezimmer und vieles mehr.

Zwischen den Bücherregalen, die etwa 100.000 Medien beherbergen, finden sich echte Bäume, kleine Kunstwerke und Sitzmöglichkeiten, im hinteren Teil ein Spielbereich für die Kleinsten.

Auch die Kleinsten sind hier willkommen

Man stört sich nicht aneinander, es ist Platz für alle und die Akustik ist angenehm. An der Westseite gibt es einen großen Balkon und den freien Blick auf das Parlamentsgebäude.

Die Oodi-Sauna und andere LegendenViele Besucher werden in der Bibliothek nach der oft erwähnten Sauna suchen, doch wird die Suche vergeblich sein. Man hatte im Planungsprozess von einer Sauna geträumt, diese aber nicht umsetzen können. 

Keine Sauna, aber echte Bäume gibt es hier

Des Weiteren wird Oodi auch als „Zentralbibliothek“ bezeichnet, was allerdings irreführend ist und wahrscheinlich daher kommt, dass sie diejenige der 37 Stadtteilbibliotheken ist, die im Zentrum liegt. Zentralbibliothek bleibt auch weiterhin die Pasila-Bibliothek mit 400.000 Medieneinheiten. 

Die Stufen und Schrägen des Bücherhimmels bieten Platz zur Zusammenkunft

Oodi-Bibliothek in zentraler Lage

Oodi liegt in der Töölönlahdenkatu im Herzen Helsinkis nahe dem Hauptbahnhof und dem Töölönlahti. Die Bibliothek ist umgeben von dem Kunstmuseum „Kiasma“, dem Konzert- und Kongressgebäude „Finlandia-talo“, dem „Sanoma-Gebäude“, in dem sich Finnlands größte Tageszeitung befindet und dem Konzerthaus „Musiikkitalo“. Noch symbolträchtiger ist allerdings, dass die neue Bibliothek direkt gegenüber des Parlamentsgebäudes liegt.

Symbolträchtiger Ausblick

Auch Niinistö sieht das Gebäude als eine Hommage an das unabhängige Land und seine Wertschätzungskultur.

Oodis Zukunft

Ab Frühjahr 2019 wird das kleine Kino im Erdgeschoss in Betrieb genommen und im Buchhimmel heisst es bereits ab März: „Bitte nicht über die Roboter stolpern!“. Um Vorschläge für die Namen der drei kleinen Helfer wurde in einem Wettbewerb gebeten und die Angestellten suchten aus etwa 250 Vorschlägen aus. Gewonnen hat der Vorschlag der 10-jährigen Aada und so heissen die neuen „Kollegen“ nach den Figuren aus ihren Lieblingsbüchern: Tatu, Patu und Veera. Das Innere Oodis ist ebenso dynamisch wie sein Äußeres und ständig in Bewegung. Die Bevölkerung und die Besucher haben Oodi sehr gut angenommen. Hier entstehen ständig frische Ideen und ich bin gespannt was es bei meinem nächsten Besuch Neues gibt. 

Oodi kostet keinen Eintritt und hat täglich geöffnet. Mehr Infos gibt es hier, auf der Seite der Bibliothek.

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