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Oh, Corona – noch ein Jahresrückblick 2020

Normalerweise schreibe ich keinen Jahresrückblick, halte mich und mein Jahr nicht für so wichtig, dass es einer öffentlichen Rückschau bedarf. 2020 war aber alles anders und ich habe mich dabei erwischt, dass ich es nur als “das Corona-Jahr” sah. Also will ich nochmal bewusst zurückblicken und stelle fest: Es gab wunderschöne Momente und persönliches Wachstum. Vielleicht auch bei euch, wenn ihr genauer hinseht?

Januar

Wir rutschen in der Schweiz ins neue Jahr, genauer gesagt in Luzern. Die Stadt am Vierwaldstätter See ist dieser Tage in dicken Nebel gehüllt und so ist mein erstes Bild aus 2020 auch ein eher grau-schwarz-verschwommenes Foto auf dem man hinter Wolken ein Höhenfeuerwerk erahnen könnte. Ich erspare euch das. Es hängt etwas melancholisches über der Stadt und verleiht unserem Neujahrspaziergang einen ganz speziellen Touch. Wir haben eine gute Zeit und fahren für den Bergblick und etwas Schnee einfach in den nächsten Tagen nach Engelberg und auf den Titlis auf über 3000 m Höhe.

Hoch oben auf dem Titlis in der Schweiz

Wir fahren weiter nach Schaffhausen, machen Halt im Schwarzwald und tuckern über die Schwarzwaldhochstraße zurück nach Hause, wo wir nach und nach im neuen Jahr ankommen. Ich treffe meine Mädels zum Brunch, Tine entwirft mein neues Logo, der Mann hat Geburtstag, ich sehe mit meinem Konzertmädchen das Musical “Tanz der Vampire”, bin mit Mai-Thi Nguyen in einem Beitrag von “Die Frage” zu sehen und verbringe zwei Tage mit Tine von Finnweh im Wohnmobil zur Jahresplanung.

Februar

Ich stelle endlich meinen monströsen Beitrag zu Island im Herbst fertig und teile ihn mit euch. Natürlich werkele ich auch fleißig am Podcast und Tine und ich haben eine neue Episode am Start, aber das gilt für jeden Monat des Jahres, wir ersinnen die Corona-Kaffepaussi und behalten die Kaffepaussi als Sonderformat bei. Ich feiere Fastnacht! Ausgiebig. Mehrfach. Ich ahne nicht, dass mir das jetzt komisch vorkommen wird und das schon bald alles anders ist. Immerhin ist das Kostüm zur Straßenfastnacht schon fast Schutzkleidung, was im Nachgang an unfreiwilliger Komik kaum zu überbieten ist. Vielleicht hätten wir nicht mehr feiern sollen, aber das wussten wir nicht und ich bin so froh, dass wir es getan haben.

Es schneit! Dicke Flocken und sie bleiben sogar liegen. Zumindest 1-2 Tage lang.

Ende Februar beginnt Klopapier-Gate, die ITB wird abgesagt und ich kriege kaum noch Desinfektionsmittel für die Arbeit. Nudeln auch nicht. Dafür sekündlich News und ungefragt Meinungen.

März

Das Kind wird bald die Schule wechseln und wir gehen nochmal Schlittschuhfahren mit den Klassenkameraden und der Lehrerin. Was für eine wertvolle Erinnerung.

Wir singen Lieder beim Händewaschen, wollen die Kurve flach halten, die Omis schützen, lauschen Drosten, lernen viel, es gibt immer noch kein Klopapier, dafür “Corona extra” (das Bier) im Angebot. Ich bekomme den Scandinavian Travel Award 2020 für meinen Blog verliehen. Nicht auf der ITB, sondern daheim per mail und freue mich trotzdem.

Es ist alles etwas surreal. Die Ereignisse überschlagen sich, der erste Lockdown kommt, die Schule schließt und wir rocken das Homeschooling. Schreiben Corona-Tagebuch. Die Lehrer geben alles, das Kind ist meist tapfer und unser Wohnzimmer wird zum Klassenzimmer.

Wir versuchen uns am Homeschooling

Irgendwie rocken wir das und irgendwie ist es manchmal sogar echt cool. Aller versuchen sich etwas einfallen zu lassen, unsere Buchhandlung liefert nach hause, Tanzunterricht und Cello-Unterricht gibt es online und der Zusammenhalt ist insgesamt groß. Am 20. und 21.3. fahren Lautsprecherwagen durch den Ort und der Bürgermeister bittet darum zuhause zu bleiben. Ehrlich? Ein Scheiss-Gefühl und trotzdem ein Wir-Gefühl. Viele möchten Masken tragen und werden dafür ausgelacht, außerdem bekommt man einfach keine. Wir grillen auf der Terrasse und sehen dabei ein Live-Stream-Konzert aus Finnland. Ich poste eine kurze Anleitung zum Falten eines Behelfs und der Beitrag geht durch die Decke. Das war nicht der Plan für 2020.

April / Mai

Das Homeschooling dauert an, die Eltern feiern goldene Hochzeit und wir sitzen draussen und trinken mit Abstand Kaffee.

Wir geniessen unseren Garten und den Frühling, grillen Stockbrot über dem Feuer, feiern Ostern. Auf dem Blog gibt es Buchtipps und ich stelle euch endlich mein neues Logo vor. Der Non-Niin-Podcast ist bei Finntouchs Kalsarikännit zu Gast, generell passiert gerade viel online, unter anderem meine ersten Online-Kurse und Beratungen als Hebamme, wir weihen den Pool für diese Saison ein und ich blogge ein Lonkero-Rezept und mache Gänseblümchen-Sirup.

Mit Finnweh gibt es ein Vappu-Live auf dem unserem No-Niin-Insta-Kanal, ich versuche mich an einem Image-Filmchen für die Hebammenpraxis mit der ich zusammenarbeite, schreibe für die Nordis und backe Prinzessinentörtchen für euch. Wir fahren ins Autokino, sind viel draußen, haben uns ganz gut eingegroovt und ich habe ein Rømmegrøt-Rezept für euch. Animiert durch Mahtavas Aktion (Rezepte gegen den Corona-Koller) gibt es von mir auch noch ein Skyr-Kuchen-Rezept, dass sich das ganze Jahr großer Beliebtheit erfreut. Es folgt quasi direkt ein isländischer Fischeintopf, der wirklich nach Island schmeckt. Wir machen unser “Aussenwohnzimmer” hübsch und arrangieren uns mit der Situation und auch den finanziellen Veränderungen.

Juni / Juli / August

Der wievielte März ist eigentlich? Der drölfzigste Märpriluni? Dieses Jahr ist anders, fordernd und beängstigend, aber oft auch schön!

Wir sind draussen oder im Pool, soviel es geht, es gibt ein Juhannus-Live von Finnweh und mir auf unserem No-Niin-Account und ich werde 40. Wir feiern draußen – wo auch sonst – und die kleine unspektakuläre Feier ist wunderschön. Ich bekomme eine Drohne und traue mich dann auch mal an die Bedienung derselben. Nichts und niemand kommt dabei zu schaden, auch nicht die Drohne.

Die Räubertochter feiert Abschied aus der Grundschule. Auf dem Hof, mit Maske und Abstand. Eine sentimentale Taschentucherinnerung. Im Schlossgarten entsteht spontan ein Sommerbiergarten, betrieben von einem alten Schulfreund. Die Ferien beginnen und wir sind noch immer etwas ratlos. Wir beladen das Wohnmobil und fahren erstmal zu den Schwiegereltern. Dann wollen wir nach Polen. Oder doch in Deutschland bleiben? Wir wollen vernünftig sein, aber brauchen auch eine Auszeit. Oder doch einfach heim, weil es sich hier zu ballen droht? Kurz bevor wir das tatsächlich ernsthaft in Erwägung ziehen, geht die Grenze zu Finnland wieder auf und der Kaiser bucht die erste Fähre.

Wir verbringen den Juli im Norden, sammeln Blaubeeren, erklimmen den Koli, sehen Rentiere, genießen die Mitternachtssonne, überqueren den Polarkreis, besuchen Mahtava, fahren erstmals nach Hailuoto, saunieren, treffen Finnweh un den Lieblingsfinnen am Mökki, erkunden den Archipelago-Trail und machen Second-Hand-Schnäppchen. Wir sind glücklich, frei und erfüllt von demütiger Dankbarkeit.

Unser Urlaub geht zu Ende, aber ich darf nochmal zurück nach Helsinki und verbringe mit meinem Konzertmädchen, das im Nuuksio-Nationalpark erstmals ein Rentier sieht, einige wundervolle Sommertage in der Lieblingsstadt. Euch bringe ich im Anschluss einen Tipp für einen Ausflug nach Söderskär mit, zum jetzt träumen und später nachreisen. Zuhause gibt es eine große Baustelle, denn unser Hof wird komplett neu gemacht.

September / Oktober

Die Baustelle wird fertig und ansonsten ist der September vor allem geprägt durch die Ruhe vor dem Sturm.

Das Tochterkind wird elf und trägt es mit großer Fassung, dass der Kindergeburtstag ausfallen muss. In den Herbstferien geht es dafür ein paar Tage an die Ostsee. Immer mit dabei: Die Vorsicht, der Abstand, die Maske. Leider verletze ich mich bei einer blöden Bewegung am Rücken, was ich leider noch mit ins neue Jahr tragen werde.

Mitte Oktober, als eigentlich schon wieder alles dicht macht, fahre ich für einen wichtigen Termin nach Köln. Ich bin aufgeregt und bange bis zum Schluss, ob er gecancelt wird, aber am Ende sitze ich tatsächlich in einem kleinen Tagungsraum an einem großen Tisch Samu Haber gegenüber und kann ein Interview mit ihm führen. Wir sprechen über sein Buch “Forever Yours”, das Ende der Band, The Voice und vieles mehr. Ende des Jahres wird das Interview in der Nordis erscheinen.

Zurück zuhause stelle ich fest, dass der Kaiser in meiner Abwesenheit, das Wohnzimmer genau so umgestellt hat, wie wir das schon längst vorhatten und finde es toll. In der Folge gestalten wir es noch weiter um und fühlen uns hier wohler denn je. Ich reise außerdem virtuell nach Norwegen und wir montieren unser neues Vordach.

November / Dezember

Ich reise virtuell nach Finnland. Mehrfach. Nehme am Scandinavian Media Day teil.

Das Wohnzimmer bekommt eine neue Couch und Bilder an die Wand, ich arrangiere mich irgendwie mit den dauernden Rücken- und Nervenschmerzen, muss ins MRT und Visit Finnland feiert eine virtuelle Party, die mir einen Mords Spaß macht. Die Weihnachtsdeko zieht ein und ich backe Grönland-Kuchen.

Es wird ruhiger und gemütlicher, wir nehmen eine No-Niin-Weihnachtsfeier mit Mahtava auf, ich besuche das virtuelle World-Sauna-Forum, feiere virtuell den finnischen Unabhängigkeitstag, die Nordis mit dem vierseitigen Interview mit Samu Haber kommt endlich raus und ihr bringt den Online-Shop zum Glühen. Im CT bekomme ich eine Spritze, die mir den Schmerz nehmen soll. Das klappt so lala. Es kommt der nächste Lockdown und Weihnachten. Dann Silvester. Es ist anders, es ist ruhig, aber es ist gut. Wir sind als Familie zusammen und haben es schön. Wir sind gewachsen an diesem Jahr. Ultra genervt auch, aber guter Dinge.

2021

2020 war nicht alles schlecht und 2021 wird nicht plötzlich alles gut, nein, für die meisten wird es noch mal richtig hart, aber endlich ist da ein Licht am Ende des Tunnels. Und mit diesem Licht auch wieder Hoffnung, Träume und Pläne. Auch ich traue mich langsam Pläne zu machen für dieses Jahr und freue mich darauf, wenn wir irgendwann wieder langsam aus unseren Kokons schlüpfen.

Ich nehme noch mehr Dankbarkeit für die alltäglichen Dinge mit aus dem alten Jahr, vor allem auch für die Familie und Freundschaften. Und für alles an Glück, dass ich im Leben schon hatte. Ich nehme aber auch mehr Achtsamkeit und Entschleunigung mit aus 2020.

Umarmungen und Zusammensein sind die größten Wünsche für das neue Jahr. Die Rückenbeschwerden und die ewigen Querulanten hätte das alte Jahr behalten können, aber damit komm ich schon klar.

Wir haben 2020 überstanden – wir können viel mehr, als wir dachten.

2021? Lets do this!

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